Briefing für Dienstag, 14.04.2026

erstellt für Medieninsider

Hallo Medieninsider!

Es gibt Journalisten, die mit Journalismus umgehen können. Und es gibt Marion Horn. Gemeinsam mit ihrer Geschäftsführerin Carolin Hulshoff Pol lädt die Bild-Chefredakteurin am morgigen Mittwoch zu einem „Mediengespräch“. Über ein Dutzend Medien- und Wirtschaftsjournalisten wurden bereits vor etwa drei Wochen dazu eingeladen. Medieninsider steht nicht auf der Gästeliste.

Trump’sche Verhältnisse bei Bild. Auch der US-Präsident lässt unbequeme Journalisten nicht mehr ins Weiße Haus oder ins Pentagon. Man muss nur Sport-Redakteure von Springers Boulevardtitel fragen, was sie davon halten, wenn Bundesligavereine mal zur Schikane aufgelegt sind und Bild-Reporter boykottieren. Ihre eigene Führungsriege verhält sich nun so, wie gerade Journalisten es kritisieren.

Wir hätten natürlich viele Fragen an die Bild-Chefs gehabt, die wir leider so gut wie nie beantwortet bekommen. Natürlich haben wir auch keine Antwort auf die Frage bekommen, warum wir eigentlich nicht eingeladen sind. Eine Anfrage per Mail blieb ohne Antwort, Anrufe hat Pressesprecher Christian Senft einfach nicht angenommen. Schade: Für einen Schoko-Weihnachtskalender hat man bei Bild unsere Kontaktdaten noch gekannt – für einen angeregten Austausch reicht es wohl nicht mehr.

Auch wenn wir morgen draußen bleiben müssen, wissen wir, was drinnen geschehen soll: Die Bild-Chefs wollen ihre neue Video-Strategie präsentieren, ein Blick ins „Webstudio“ ist genauso geplant wie auch eine Begehung des aufwendig aufgebauten Test-Labors, in dem die Inhalte für den Kaufberater entstehen. Eine Reihe von Führungskräften aus Chefredaktion und Management wird ihre Chefinnen flankieren. Mit Selbstinszenierung kennen sie sich bekanntlich aus bei Bild – auch wenn die Form der „Imagepflege“ nicht immer aufgeht.

Dass wir am Mittwoch vom Medieninsider zum Außenseiter gemacht werden sollen, hält uns natürlich nicht vom eigenständigen Blick hinter die Kulissen ab. Dieses Medienmagazin wäre seinen Namen nicht wert, würden wir uns nicht auf das konzentrieren, was Medienhäuser lieber für sich behalten.

Das und mehr in deinem Dienstagsbriefing.

Viele Grüße
Marvin

Investigativjournalist Oleg Roldugin von der unabhängigen russischen Novaya Gazeta sitzt nach Festnahme wegen angeblichen Missbrauchs personenbezogener Daten in Untersuchungshaft (Reuters).

Ungarns designierter neuer Präsident, Peter Magyar, will Nachrichtensendungen der staatlichen Medien vorerst aussetzen, bis eine unabhängige und unparteiische Berichterstattung gewährleistet ist (Reuters).

YouTube erhöht in den USA seine Premium-Preise erstmals seit drei Jahren um zwei bis vier Dollar pro Monat (Reuters).

► Gründerin und Chefredakteurin Eva Schütz reduziert weiter ihre Anteile am rechtspopulistischen Exxpress in Österreich, das inzwischen mehrheitlich zum Nius-Verlag Vius von Frank Gotthardt und Julian Reichelt gehört. Es übernimmt ihr Ex-Mann Alexander Schütz, der Finanzier von CNBC DACH (Der Standard).

Werbechef Oliver Böhm wurde vom ORF zur Untersuchung von Compliance-Vorwürfen beurlaubt (Der Standard).

► Der NDR wird heute bis Mittwochnacht am Standort Hamburg bestreikt (Verdi).

Donald Trump scheitert mit seiner Verleumdungsklage gegen das Wall Street Journal (Spiegel).

OpenAI führt ein neues ChatGPT-Pro‑Abo mit mehr Limits ein. Es liegt mit 100 Dollar/Monat zwischen Plus (20 Dollar) und dem vollwertigen Pro (200 Dollar) und soll vor allem die Lücke zu Anthropic/Claude bei dieser Preisklasse schließen (Engadget).

OpenAI wird von der EU aufgrund von über 120 Millionen monatlichen Nutzern als „sehr große Suchmaschine“ gewertet und damit unter den Digital Services Act (DSA) fallen (Handelsblatt).

Volker Nünning berichtet über eine geplante Änderung des Medienstaatsvertrags, um eine Rechtsgrundlage für den Einsatz von KI-Tools zur Suche nach rechtswidrigen Inhalten im Internet zu schaffen (Menschen Machen Medien).

► Sachverständige kritisierten im Bundestag, dass das neue Transparenzgesetz für politische Werbung die Pressefreiheit durch weitreichende behördliche Befugnisse gefährden könnte (Netzpolitik).

ARD fordert eine Reform der Werbebeschränkungen im digitalen Sektor, um den Abfluss von Werbegeldern an US-Plattformen wie Google und Meta zu bremsen (Digitalfernsehen).

► DieSachsen.de von Thomas Wolf und Nikolaus von der Hagen setzt nun auf Plattformjournalismus, bei dem Autoren ihre Beiträge direkt auf der Seite publizieren können (Flurfunk Dresden).

Semafor beschreibt, wie Bluesky mit offenem Protokoll, kuratierten Feeds und einer anderen Moderationslogik versucht, die alten Probleme von X bzw. Twitter zu lösen – und wo das Geschäftsmodell noch offen ist (Semafor).

► Die Vereinigten Arabischen Emirate verschärfen ihre Kontrolle über Bilder: Nach der Festnahme von Fotojournalisten in den Emiraten haben internationale Agenturen die Verbreitung von Kriegsfotos aus der Region weitgehend eingestellt (Semafor).

Sascha Bossen hat ein Miro-Board mit verschiedenen Paywalls erstellt (Miro). Seine Beobachtungen dazu hat er in seinem Newsletter zusammengetragen (Steady).

Ted Alcorn hat ein Dashboard gebaut, in dem er nach eigenen Angaben 2,2 Millionen Artikel seit 2000 der New York Times analysiert hat (Github)

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