Dein Lese-Letter zur Wochenmitte

Kalenderwoche 05/2026

Hallo Medieninsider!

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In diesem Newsletter halten wir wieder reichlich Insider-Infos, aufwendige Hintergrundrecherchen und kritische Beobachtungen bereit. Hier kannst du unseren Medienjournalismus unterstützen.

► Wow, DJV: Der Verband bejubelt den Start von CNBC in Deutschland – und übersieht, wer dahinter steht (direkt zum Artikel)

► Vom Prestigeprojekt zum Millionenschaden: ZDF Studios verbucht plötzlich einen großen Verlust in der Bilanz, der auf eine einzige von mehr als 30 Beteiligungen zurückgeht – Volker Nünning hat den fragwürdigen Fall recherchiert (direkt zum Artikel)

► Verströerung: Ströer-CEO Udo Müller will alle Mitarbeiter wieder im Büro wissen – und sich von seinem eigenen Chefredakteur interviewen lassen (direkt zum Artikel)

► Geld von der VG Wort: Am 31. Januar läuft eine wichtige Meldefrist aus – das müssen Autoren wissen (direkt zum Artikel)

Veni, vidi, Wiki: Aus dem Beitrag von SZ-Chefin Judith Wittwer sollten kritische Teile verschwinden (am Ende des Newsletters)

Wow, DJV!

Der Deutsche Journalistenverband (DJV) spart bekanntermaßen nicht an Pressemitteilungen. Kaum eine Entwicklung in der Medienindustrie wird nicht in Windeseile von der Gewerkschaft kommentiert. In der vergangenen Woche flatterte mir eine E-Mail ins Postfach, bei der ich jedoch nur noch mit dem Kopf schütteln konnte. Darin hatte es geheißen:

„Der Deutsche Journalisten-Verband begrüßt die Expansionspläne des US-amerikanischen Wirtschaftsnachrichtensenders CNBC in den deutschsprachigen Raum.“ 

Man freute sich über 100 neue journalistische Arbeitsplätze, von denen die meisten in Frankfurt, München und Berlin entstehen sollen. Mika Beuster, der Vorsitzende des Verbandes:

Das ist gut für den Journalismus und ein hoffnungsvolles Zeichen für die künftigen Beschäftigten von CNBC

Man erteile „all denen eine Abfuhr, die dem Journalismus keine Chance mehr gäben“, heißt es in der Mitteilung weiter.

Womöglich hätte man sich nicht nur mit der Ankündigung befassen sollen, sondern auch mit den Köpfen, die dahinterstehen. Ein Blick auf die Gesellschafter, die „CNBC DACH“ etablieren wollen, legt eine illustre Runde offen.

Da ist einerseits Benjamin Lakatos, laut Forbes einer der 30 reichsten Ungarn, Mehrheitseigentümer und Executive Chairman des Schweizer Energieunternehmens MET Group. Vor allem der Name Alexander Schütz sollte aber ins Auge stechen. 

Die Website DieMedien.at des österreichischen Medienjournalisten Harald Fidler hält fest: Schütz gilt als einer der reichsten Männer in Österreich. Der Gründer der C-Quadrat Investment Group war Großspender der ÖVP und macht Geschäfte mit Ex-Bundeskanzler Sebastian Kurz. Die Geschäftsführerin ihrer gemeinsamen Investmentfirma AS2K ist auch Geschäftsführerin der rechten News-Plattform Exxpress, an der Schütz ebenfalls eine Beteiligung hält. Mehrheitseigentümer von Exxpress ist die Firma Vius, die wiederum die Medienmarke Nius von Julian Reichelt betreibt. 

Schütz war übrigens auch mal Aufsichtsrat bei der Deutschen Bank. Bis diese sich von ihm distanzierte, nachdem er an den damaligen Wirecard-Chef Markus Braun per E-Mail schrieb:

Hab ja in der FT gelesen, dass du ein ganz Schlimmer bist.

… macht diese Zeitung fertig!

Lakatos, Ungarn, Energiekonzern… Schütz, ÖVP, Exxpress, Vius/Nius… Es gibt einige Stichworte, die mit Blick auf CNBC aufhorchen lassen. Und der DJV? Der hält in seiner Pressemitteilung fest, wie unverzichtbar der Wirtschafts- und Finanzjournalismus sei – und appelliert schon einmal daran, Tarifverträge abzuschließen.

► MeToo-Berichte: Galerist Johann König verklagt Die Zeit auf 1,2 Millionen Euro Schadenersatz (mehr erfahren)

► TV-Koch Tim Mälzer kritisiert die Sparmaßnahmen bei Vox und RTL – und nennt als warnendes Beispiel den Untergang von Gruner + Jahr (mehr erfahren)

► Die sächsische Staatskanzlei lehnt auch eine gemäßigte Erhöhung des Rundfunkbeitrages ab (mehr erfahren). Wie Medieninsider jüngst exklusiv berichtete, hatte die KEF ihre Empfehlung zuletzt gesenkt (mehr erfahren)

► Deutschlandfunk startet einen TikTok-Kanal, der sich gezielt mit TikTok auseinandersetzt (mehr erfahren)

► Eine weitere Investorengruppe sagt Interesse an Ströer ab (mehr erfahren)

► Bei Business Insider in den USA gehen eine Reihe von Führungskräften, wie Max Tani berichtet (mehr erfahren)

► Unruhe bei der Washington Post – Mitarbeiter fürchten massiven Stellenabbau (mehr erfahren)

► Marken- und Lizenzdeal in der Creator Economy: TikTok-Star Khaby Lame macht fast eine Milliarde US-Dollar (mehr erfahren)

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Weg mit der Kritik – „In Absprache mit Judith Wittwer“ 

Als die Süddeutsche Zeitung Ende 2023 sehenden Auges in ihre bislang schwerste Zeit stolperte, war sich die Chefredaktion anfangs sicher: Die Sache mit der Krisenkommunikation bekommt man auch allein gewuppt. Die Einsicht, sich kommunikativ beraten zu lassen und schließlich neu aufzustellen, kam spät – aber sie kam. 

Seit Oktober vergangenen Jahres hat der Süddeutsche Verlag eine neue Kommunikationschefin. Den unscheinbaren Martin Gritzbach hat man durch die deutlich umtriebigere Julia Christoph ersetzt. Für den neuen Job wechselte sie von Linkedin, zuvor arbeitete sie bei der internationalen PR-Agentur Edelman oder auch bei der BMW Group. Und auch über ihren Lebenslauf hinaus wirkt die neue Sprecherin kompetent. Ansprechbar, sendungsbewusst, zuverlässig. Ihr wohl wichtigster Auftrag: Die Stärken der SZ wieder in den Vordergrund zu spielen. Gemeint sind damit auch die Journalisten des Hauses.

Wie aktiv die Neue an der Kommunikationsspitze des Verlags ist, zeigt sich auch abseits der klassischen Pressearbeit – zum Beispiel in der Wikipedia. Dort sollte der Beitrag von Chefredakteurin Judith Wittwer eine Frischzellenkur bekommen. Ziel: Profilschärfung.

Was im neuen Wikipedia-Eintrag zu erfahren sein sollte:

► dass sie eine Transformatorin in Sachen Digitalisierung ist.

► dass sie eine „umgängliche Führungsfrau“ ist mit der Fähigkeit, „nach innen zu integrieren“.

► dass in ihre Zeit die Auszeichnung der SZ als „Redaktion des Jahres“ gefallen ist.

► dass sie die Trennung von Verlag und Redaktion befürwortet.

Das alles mögen erwähnenswerte Punkte sein. Schließlich sind sie nicht ausgedacht. Was den Änderungsprozess aber delegitimiert: Der Versuch, wesentliche kritische Punkte zu löschen.

Was nicht mehr nachzulesen sein sollte:

► dass das Medium Magazin schon 2022 über „harte interne Kritik“ an Wittwer und dem damaligen Co-Chefredakteur Wolfgang Krach berichtete. 

► dass in die Amtszeit auch die Durchleuchtung von Kommunikationsdaten der eigenen Mitarbeiter stattfand, nachdem Interna an Medieninsider durchgestochen worden waren – und dass Reporter ohne Grenzen diese Aktion verurteilte.

Wie in der Historie von Wittwers Wikipedia-Beitrag nachzulesen ist, blieb der Änderungsversuch nicht ungeprüft. Nur wenige Tage später lehnte die Community das Tuning ab. Vermerk: „Überwachungsaffäre und weitere relevante Informationen wurden ohne Begründung gelöscht.“

Eine Begründung sucht man in der Tat vergebens. Sprecherin und Wiki-Autorin Julia Christoph, die immerhin mit Klarnamen in der Community unterwegs ist, schrieb zum Update lediglich: „Aktualisierung von Judith Wittwers Position nach Veränderungen in der Chefredaktion der Süddeutschen Zeitung. Überarbeitete Gliederung des Beitrags in die Kategorien Leben, Beruf, Sonstiges sowie inhaltliche Anpassungen und Ergänzungen in Absprache mit Judith Wittwer.“

Änderungsnachverfolgung bei Wikipedia

Auf Nachfrage von Medieninsider ergänzt Julia Christoph, die Streichungen vorgenommen zu haben, da sie sich nicht allein auf Wittwer, sondern auf die damalige Doppelspitze mit Wolfgang Krach bezogen hätten. „Der aktualisierte Beitrag wurde, wie es bei Wikipedia üblich ist, vor Freischaltung von der Community geprüft – einige Änderungen wurden angenommen, andere nicht. Wir schätzen den transparenten Prozess der Wikipedia-Community sehr und respektieren es selbstverständlich, wenn die Community einzelne Änderungen nicht übernimmt.“

Apropos Doppelspitze: Ihr Autorenprofil hat die Chefredakteurin, die derzeit allein amtiert, auch überarbeitet. Dass sie die Redaktion knapp fünf Jahre lang gemeinsam mit Wolfgang Krach führte, findet dort keine Erwähnung mehr.

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