Dein Lese-Letter zur Wochenmitte

Kalenderwoche 06/2026

Hallo Medieninsider!

Schön, dass du dabei bist! Was dich in dieser Woche im Lese-Letter unter anderem erwartet:

► „So muss es sein bei einem Qualitätsmedium“: Ströer-CEO Udo Müller lässt sich von T-Online-Chefredakteur Florian Harms interviewen (Editorial)

► Nächste Stufe der Verunsicherung: Ströer baut in seiner Content Group eine Zentralredaktion auf – wer betroffen sein wird (direkt zum Artikel)

► Notvorstand ist keine Lösung: Richter fordert Aufsichtsrat beim Weser-Kurier zum „Konklave“ auf (direkt zum Artikel)

„So muss es sein bei einem Qualitätsmedium“

Vergangene Woche berichteten wir über eine „verströerte Belegschaft“. Grund war die Ankündigung von Ströer-CEO Udo Müller, Mitarbeiter ab April wieder grundsätzlich an fünf Tagen in der Woche ins Büro zu beordern. Beim Tochterunternehmen T-Online waren die neuen Regeln allerdings nicht der einzige Grund für Aufregung.

Tagelang wurde intern darüber spekuliert, ob ein weiterer Müller-Plan umgesetzt werden würde – einer, den Mitarbeiter im Gespräch mit Medieninsider als redaktionell übergriffig bezeichneten. So habe Müller geplant, angesichts der wirtschaftlichen Herausforderungen ein Interview zu geben. Im eigenen Medium, geführt vom eigenen Chefredakteur.

Nun ist dieses Interview erschienen. Und vieles daran ist problematisch.

Müller, der direkt zu Beginn des Interviews das Chefredakteursprinzip betont („So muss es sein bei einem Qualitätsmedium“), hätte vielen Medien ein Interview geben können. Nur wenige Wirtschaftsressorts hätten dem Chef eines MDax-Konzerns und dem wohl einflussreichsten Außenwerber Deutschlands abgesagt. Müller, dem Qualitätsjournalismus offenbar so wichtig ist, entschied sich aber für die „Comfort Zone“.

Zwar kann man dem Interview anlesen, dass Chefredakteur Florian Harms bemüht war, journalistische Standards einzuhalten. Doch genau darin liegt das grundsätzliche Problem: Ein Interview zwischen Eigentümer und eigenem Chefredakteur ist kein normales journalistisches Setting. Es ist strukturell belastet – unabhängig von Ton, Absicht oder handwerklicher Sorgfalt. Transparenz ersetzt keine Unabhängigkeit. Daran ändert auch Pseudokritik nichts.

Konfrontiert wird der CEO, wenn überhaupt, nur mit allgemein gehaltener Kritik. Auf lange Monologe Müllers folgt dann aber: nichts.

Proteste aus der eigenen Mannschaft gegen die jüngsten Home-Office-Entscheidungen des CEOs? Bleiben unerwähnt.

Nachfragen zur frühzeitigen Ankündigung des Co-CEOs Christian Schmalzl, das Unternehmen zu verlassen? Kein Wort dazu.

Fragen danach, weshalb der Konzern Investoren sucht, namhafte Private-Equity-Firmen aber abgesprungen sind? Sucht man vergebens.

Das Gespräch mit Udo Müller ist kein anspruchsvolles Interview geworden. Es ist eine CEO-Keynote mit Fragezeichen. Der Chefredakteur wurde zum Stichwortgeber degradiert. Um Müller zu zitieren: So muss es wohl sein bei so einem Qualitätsmedium.

Mit Ströer geht es auch in der heutigen Top-Story unseres Lese-Letters weiter. Beim Medienkonzern gibt es nämlich weitere Veränderungen innerhalb seiner Content Group – die Zusammenlegung mehrerer Redaktionen ist geplant:

► Einschränkung der Medienvielfalt? Laut der Zeit wollen die Landesmedienanstalten Hamburg und Berlin-Brandenburg ein Verfahren gegen Google und Perplexity einleiten (mehr erfahren)

► Burda findet laut Handelsblatt keinen Käufer für die Arbeitgeberbewertungsplattform Kununu (mehr erfahren)

► Der Spiegel folgt der FAZ und produziert nun auch ein Format für Funk (mehr erfahren)

► Wegen Pioneer-Herausgeberschaft: Spiegel-Kolumnist und Publizist Christian Stoecker fordert den Rücktritt von Veronika Grimm als Wirtschaftsweise (mehr erfahren)

► Nachrichten vom angeblichen Signal-Support: Laut Netzpolitik zielen bislang Unbekannte auf investigative Journalisten ab (mehr erfahren)

► Bildung bei Pornhub? Heise Online erklärt, wie Creator auf der Pornoplattform mit Erklärvideos mehr Umsatz machen als bei YouTube (mehr erfahren)

► Die AfD will in Mecklenburg-Vorpommern den Medienstaatsvertrag kündigen (mehr erfahren)

► Das Auslandsressort der Washington Post kämpft mit einem Brief an Jeff Bezos um seine Korrespondenten (mehr erfahren)

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