Dein Lese-Letter zur Wochenmitte

Kalenderwoche 03/2026

Hallo Medieninsider!

Schön, dass du dabei bist! Was dich in dieser Woche unter anderem im Lese-Letter erwartet:

► Während sich Robin Alexander verabschiedet, streitet die Welt über den nächsten Gastbeitrag (Editorial)

► Burda-Beben: Schon wieder Umbau in Vorstand und Verwaltungsrat (direkt zum Artikel)

Olaf Glaeseker geht: Hubert Burda Media macht Lobby-Abteilung dicht (direkt zum Artikel)

► Die „unerträgliche Langsamkeit des Seins“: Alexandra Borchardt erklärt, warum es der Branche so schwer fällt, Tempo aufzunehmen – und weshalb gut gemeintes Management oft genau das verhindert (direkt zum Artikel)

► In eigener Sache: Warum wir die PMG verklagen – und weshalb es relevant für die gesamte Branche ist (direkt zum Artikel)

Während sich Robin Alexander verabschiedet, wird bei Welt schon wieder gestritten

Wenn der Machtwechsel-Podcast in dieser Woche aus seiner Winterpause zurückkehrt, wird sich für die Hörer vermutlich kaum etwas ändern. Für seine Hosts hingegen sehr wohl. Dagmar Rosenfeld und Robin Alexander führen das Format künftig losgelöst von der Welt fort. Für das dahinterstehende Verlagshaus Axel Springer bedeutet das den Verlust einer seiner größten Personenmarken – ausgerechnet in einer Phase, in der journalistische Creator strategisch in den Mittelpunkt rücken sollen.

Der Abschied von Robin Alexander markiert mehr als das Ende einer langen Karriere bei der Welt. Er steht exemplarisch für einen Wandel, der sich in vielen Redaktionen abzeichnet: Selbst prominente, wirtschaftlich erfolgreiche Journalisten trauen sich heute eine Zukunft auch ohne großes Medienhaus im Rücken zu.

Für die Welt ist sein Abgang eine doppelte Zäsur. Er fällt in eine Phase anhaltender Verunsicherung über die publizistische Ausrichtung des Hauses und über die Frage, wer diese Linie eigentlich definiert. In Gesprächen mit Mitarbeitern war in den vergangenen Wochen immer wieder von „Entfremdung“ die Rede.

Auch Alexanders interne Abschiedsmail fügt sich in dieses Bild ein. Nach 18 Jahren bei der Welt dankte er zum Jahreswechsel namentlich drei Kollegen, die ihn „über das normale Maß hinaus“ unterstützt hätten: seinen beiden Podcast-Redakteuren Antonia Beckermann und Wim Orth sowie Politik-Ressortleiter Marcus Heithecker. Zwar stellte Alexander klar, sie stünden nur beispielhaft für viele weitere Kollegen. Umso auffälliger ist, dass weder Verleger Mathias Döpfner noch Chefredakteur Jan-Philipp Burgard oder Herausgeber Ulf Poschardt Erwähnung finden. Hervor sticht zudem der explizite Hinweis, dass es Thomas Schmid war, der Alexander 2008 zur Welt holte. Viele in der Redaktion waren bislang davon ausgegangen, dass der Reporter seinem damaligen Chefredakteur Poschardt von Vanity Fair zu Axel Springer gefolgt war.

Es entbehrt nicht einer gewissen Ironie, dass sich die Redaktion zum Zeitpunkt von Alexanders Abschied längst wieder miteinander überworfen hatte. Wieder war es ein Gastbeitrag, der einen Ausnahmezustand auslöste. Ein Jahr zuvor hatte bereits ein Text von Elon Musk für massive Irritationen gesorgt; damals stellte sich Vize-Chefredakteur Alexander demonstrativ vor die Redaktion. Nun war es Roger Köppel, der Raum bekam für einen publizistischen Angriff auf die Europäische Union und eine scharfe Kritik an deren Umgang mit dem Vorwurf prorussischer Narrative. Köppel war früher für kurze Zeit Welt-Chefredakteur, ist heute Herausgeber der Schweizer Weltwoche und wegen seiner Nähe zu Wladimir Putin bekannt. Vielen in der Redaktion ging die Veröffentlichung seines Texts zu weit, wie auch öffentlich wurde. 

Der Vorgang zeigt erneut, wie sehr die Welt mit sich selbst ringt – und wie groß die Unsicherheit ist über den Anspruch als Debattenmedium und über die Frage, wer eigentlich die Richtung vorgibt.

Nach dem Erscheinen des Beitrags wandten sich Redakteure an Mathias Döpfner. Wieder kam der Verleger, der vor Weihnachten noch seine Zufriedenheit über die Ausrichtung der Welt zum Ausdruck gebracht hatte, in die Konferenz. Wieder diskutierte er zwischen Chefredakteur Burgard und Herausgeber Poschardt, der von seinem angestammten Platz auf der Kanzel kommentierte, mit der Redaktion. Döpfner warb für mehr Selbstbewusstsein und publizistische Auseinandersetzung.

Aus der Redaktion wiederum war zu hören, dass Debatte über einen Gastbeitrag nicht erst nach, sondern auch vor der Veröffentlichung stattfinden müsse – ein bemerkenswerter Kontrast zu dem Anspruch auf publizistische Debatte, der sonst betont wird.

Am Ende des Auftritts blieb nicht viel. Außer dem Eindruck, dass das Wort ‚Entfremdung‘ im Zusammenhang mit dem Abschied von Robin Alexander wohl nicht zum letzten Mal gefallen ist. Hier findest du noch einmal unsere Berichterstattung zur prominenten Personalie.

Wie die KI-Revolution Führung verändert
Vortrag von Markus Knall (Ippen Media)
Montag, 19. Januar 2026 von 14:00 - 15:30 Uhr

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Viele Grüße

Marvin

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