Briefing für Freitag, 19.06.2026

erstellt für Medieninsider

Hallo Medieninsider!

Die Debatte über KI-Texte im Journalismus hat noch eine weitere Ebene, die bislang zu kurz gekommen ist: Welche Texte werden eigentlich wirklich gebraucht?

Wenn Autoren zahlreiche Artikel einreichen und veröffentlichen können, die plump von der KI konstruiert sind, oder Gastbeiträge erscheinen, deren Fakten nicht einmal stimmen: Werden sie dann redaktionell überhaupt ernst genug genommen? Und wenn sie in der Redaktion niemand ernst nimmt, wie soll es dann der Leser tun? Wer relevant bleiben will, sollte sich Gedanken darüber machen, was er inhaltlich wirklich braucht.

Apropos Gedanken machen: Die Politik in Baden-Württemberg und Rheinland-Pfalz unternimmt etwas, um junge Stimmen in den Gremien der öffentlich-rechtlichen Medien zu etablieren. Mein Kollege Volker Nünning hatte ausführlich über das erschreckende Defizit berichtet. Nun liegen ihm Zahlen vor, wie viele Menschen sich tatsächlich um einen Platz im Rundfunkrat des SWR beworben haben.

Das und mehr findest du in deinem Freitagsbriefing.

Viele Grüße
Marvin

► Das ZDF hat im Streit mit Elon Musk die geforderte Unterlassungserklärung abgegeben und die Anmoderation eines Beitrags von ZDFheute live gekürzt (ZDF).

► Auf tagesschau.de kommen die Inhalte für das Wissen-Ressort künftig nicht mehr vom NDR, sondern aus dem ARD-Kompetenzcenter Wissen unter Federführung von BR, SWR und WDR (EPD Medien).

► Im Streit um Jan Böhmermanns Sendung ZDF Magazin Royale hat das OLG München dem früheren BSI‑Chef Arne Schönbohm in der Sache recht gegeben, ihm aber keine Geldentschädigung zugesprochen (FAZ).

Stefan Niggemeier wirft Harald Neuber, Nachrichtenchef der Berliner Zeitung, Antisemitismus vor, indem dieser vermeintlich jüdische Akteure als heimliche Technologie- und Weltherrscher markiert und ihnen Verantwortung für den „Müll“ von KI-Systemen zugeschoben habe (SZ).

Mathias Döpfner hat das Kunstwerk B.Z. am Mittag von Sigmar Polke (1965) für 1,6 Millionen Euro ersteigert und will es künftig bei Axel Springer ausstellen (B.Z.).

Niemanlab fasst mehrere Studien zur KI-Kennzeichnung journalistischer Inhalte zusammen. Eine Erkenntnis: Leser akzeptieren KI eher, wenn klar ist, dass Menschen gegenlesen. Bei zu viel oder ungeschickter Kennzeichnung können Leser misstrauisch werden (Niemanlab).

► Der frühere Radioredakteur Moritz Scheidl debattiert die Krise im Privatradio und argumentiert, dass dieses nicht primär an Big Tech oder „Pech“, sondern an jahrzehntelangen eigenen Struktur‑ und Managementfehlern zugrunde geht – und dass Subventionen dieses System nur künstlich am Leben erhalten würden (LinkedIn).

► Journalistenverbände fordern eine Kennzeichnungspflicht von KI-Inhalten, der Deutsche Presserat lehnt das ab (Spiegel).

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