Briefing für Freitag, 03.07.2026

erstellt für Medieninsider

Hallo Medieninsider!

Raunender Name, hölzerne Moderation, abgegriffener KI-Gag zum Auftakt und uninspirierte Rubrik zum Ende. Es hätte die verkorkste Recherche in der Mitte gar nicht gebraucht, um den neuen Politik-Podcast Wenn Sie wüssten… einfach nur schlecht zu finden.

Gemeinsam mit dem anerkannten Politik-Journalisten und Dokumentarfilmer Stephan Lamby wollte Eva Quadbeck, Chefredakteurin des zur Madsack Mediengruppe gehörenden Redaktionsnetzwerks Deutschlands (RND), Springer-Chef Mathias Döpfner auf die Schliche kommen. Dieser habe versucht, Druck auf Bundeskanzler Friedrich Merz auszuüben. In der Folge soll er sich mit ihm auf eine für einen Verleger unmoralische Weise überworfen haben. Es soll um die sogenannte Brandmauer gegangen sein. Pls stärke die FDP AfD und so…

Wenn die RND-Verantwortlichen mit einem Knall starten wollten, ist es ihnen gelungen – nur ist es einer, der das Projekt wohl schneller beenden könnte, als es gestartet ist.

Die Folge steht massiv in der Kritik – weil Springer so scharf dementiert wie selten, weil die Bundesregierung von „absurden Gerüchten“ spricht, weil die Recherche mehr Fragen aufwirft, als sie beantwortet.

Was genau bei dem (oder den) fraglichen Treffen zwischen Döpfner und Merz geschehen ist, können Lamby und Quadbeck gar nicht „rekonstruieren“. Es soll sich nämlich um Austausch unter vier Augen gehandelt haben. Die Journalisten zogen deshalb „Sekundärquellen und Indizien“ heran. Das machen sie auch transparent. Nur muss man sich an dieser Stelle die Frage stellen, ob Transparenz hier nicht mehr eine Rechtfertigung als eine Hilfestellung sein soll – eine Rechtfertigung nicht für eine „Verdachtsberichterstattung“, wie sie es nennen, sondern für politischen Klatschjournalismus, bei dem ein miefiger Hauch von Verschwörung in die Nase steigt. Ein Eindruck, der gar nicht erst entstehen darf.

Das weiß auch Quadbeck, die mittlerweile eine schriftliche „Klarstellung“ veröffentlicht hat. Zentrale Aussage: Man berufe sich bei der Recherche auf mehrere Quellen, könne aber nicht ausschließen, „dass eine unserer Quellen auf denselben Ursprung zurückzuführen ist, aus der sich auch die SMS vom November an Herrn Döpfner speist.“

Bei der SMS an Döpfner soll es sich um eine Nachricht an den Springer-Chef handeln, in der er mit den Gerüchten, über die Lamby und Quadbeck berichten, konfrontiert wird. Sie soll aus dem November 2025 stammen, während die Journalisten diesen Inhalt auf ein anderes Treffen im März 2026 zurückführen. Wie gesagt: Mehr Fragen als Antworten.

Quadbecks Klarstellung macht also gar nichts klar. Es sind viele Worte für eine schlichte Erkenntnis: Die Recherche hätte in dieser Form nicht erscheinen dürfen. Das kostet Vertrauen, das die Verantwortlichen nur wiederherstellen können, indem sie ihren Verdacht wirklich erhärten. Quadbeck kündigt an: „Wir werden in unserer nächsten Podcast-Folge am kommenden Dienstag auf die Thematik eingehen.“

Apropos Döpfner und Verschwörung: Auch beim ZDF ging es in den vergangenen Monaten um den Verleger und seinen angeblichen Einfluss. Dort stand nämlich Ex-Springer-Manager Christian Nienhaus zur Wahl in den Verwaltungsrat – und fiel durch. Vom Tisch ist die Sache nicht, wie mein Kollege Volker Nünning recherchiert hat.

Das und mehr erwartet dich in deinem Freitagsbriefing.

► Die Zeitungsverleger in Nordrhein-Westfalen sehen den geplanten digitalen Ausbau der regionalen Berichterstattung beim WDR kritisch und betonen die rechtlichen Grenzen für lokale, textbasierte Online-Angebote ohne Sendungsbezug (EPD Medien).

► Union und SPD planen im Koalitionsausschuss eine Einschränkung des Informationsfreiheitsgesetzes. Künftig sollen staatliche Dokumentenanfragen nur noch bei Nachweis eines berechtigten Interesses sowie unter deutlich höheren Gebühren zulässig sein (Netzpolitik).

► Das Verwaltungsgericht Berlin bestätigt das von der Medienanstalt Berlin-Brandenburg erlassene Sendeverbot gegen Russia Today Deutschland (RT DE) als rechtmäßig (LTO).

► Das Felix Zimmermann kritisiert, dass der Spiegel seine juristische Teilniederlage im Ulmen-Verfahren kleinredet und dabei zentrale journalistische Standards verletzt, sodass aus Berichterstattung zur Litigation-PR wird (LTO).

Beautiful Minds Media von Petra Winter übernimmt die deutsche Glamour von Condé Nast. Chefredakteurin Theresa Pichler und ihr Redaktionsteam können wechseln (Meedia).

► Der Landwirtschaftsverlag Münster trennt sich nach 30 Jahren vom AVA-Agrar Verlag Allgäu und verkauft ihn an die Gründerfamilien (Landwirtschaftsverlag).

Klambt-Verleger Lars Joachim Rose ist neuer Vorstandsvorsitzender beim MVFP. Weitere Vorstände sind: Dr. Alfons Schräder (Heise Group), Thomas Hass (Spiegel), Holger Knapp (Sternefeld Medien), Detlef Koenig (mhp Verlag), Elisabeth Varn (Burda) und Frank Zeithammer von der Evangelischen Gemeindepresse Stuttgart (MVFP).

► Die Einnahmen aus dem Rundfunkbeitrag blieben 2025 nahezu stabil bei 8,72 Milliarden Euro – ein Minus von 20 Millionen Euro, also 0,2 Prozent (Welt).

► Ab dem 2. August greifen neue Transparenz- und Kennzeichnungspflichten der europäischen KI-Verordnung für künstlich generierte Inhalte. Betreiber müssen Deepfakes direkt und unmissverständlich im Bild oder Video markieren (LTO).

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