Briefing für Dienstag, 07.07.2026

erstellt für Medieninsider

Hallo Medieninsider!

Bei den Protesten am Rande des AfD-Parteitags in Erfurt sind am Samstag Reporter von Apollo News von Antifa-Anhängern attackiert, gejagt und verletzt worden. Ein Tweet des ehemaligen Stern-Herausgebers Andreas Petzold bringt auf den Punkt, was davon zu halten ist.

Grüße gehen damit raus an den Deutschen Journalistenverband (DJV), der sich für gewöhnlich nicht mit empörten Pressemitteilungen zurückhält. Im Vorfeld des Parteitages rief er die Sicherheitsbehörden noch zum „umfassenden Schutz der Journalistinnen und Journalisten“ auf. Nach den Attacken gegen die Apollo-Reporter reagierte der Verband hingegen nur auf Anfrage. Gegenüber EPD Medien fordert er „eine umfassende Aufklärung der Vorfälle, die beleuchten muss, wie sich beide Seiten verhalten haben“. Als gäbe es ein Verhalten, das Gewalt rechtfertigen könnte. Viele messen mit zweierlei Maß, wenn es die aus ihrer Sicht Richtigen trifft, wie Stefan Niggemeier in der SZ dokumentiert hat.

Sich am Samstag ebenfalls verwundert die Augen reiben musste man, als RND-Chefredakteur Sven Oliver Clausen bei Linkedin den Start von Wenn Sie wüssten… abfeierte. Zu diesem Zeitpunkt war der Politik-Podcast längst massiv in die Kritik geraten, weil er offenbar nicht eingehalten hatte, was laut Clausen versprochen war: unter anderem die „pure, fakten- und erfahrungsbasierte Aufklärung“. Am selben Tag wie Clausens Posting ergänzte Co-Chefredakteurin Eva Quadbeck ihre bisherige „Klarstellung“ zudem um eine „Richtigstellung“.

Wir hätten den Verdacht, Merz und Döpfner hätten sich wörtlich so geäußert, wie in unserem Podcast gesendet, nicht verbreiten dürfen.

Die Zitate, die man im Zuge der „Verdachtsberichterstattung“ verbreitet hatte, hielten einer weiteren Überprüfung nicht stand. Wer glaubt, dass der „Kern“ der Geschichte trotzdem aufrechterhalten werden konnte, weil sich Kanzler Friedrich Merz und Springer-Chef Mathias Döpfner ja immerhin getroffen haben, irrt. Denn Kern waren die teils bedrohlichen Aussagen („Das werden Sie noch bereuen“).

Die Story ist nicht nur in sich zusammengefallen, sie hat anderen Journalisten, die sich ebenfalls mit den Gerüchten befasst hatten, die Arbeit erschwert. Zu groß dürfte jetzt die Unsicherheit auf allen Seiten sein. Sollte doch irgendetwas dran sein an den vermeintlichen Aussagen, wird es jetzt wohl kaum noch herauszufinden zu sein.

Was bleibt, ist eine „Verschwörungstheorie“, wie Paul Ronzheimer die Recherche im Nachgang bezeichnet – offenbar auch aus Verärgerung darüber, gemeinsam mit anderen Springer-Journalisten diskreditiert worden zu sein.

Der Tweet ist eine berechtigte Kritik. Gleichzeitig führt er aber auch noch einmal vor Augen, welch große Verantwortung Verleger eigentlich haben.

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